Begründung
zu I Nachhaltige Sicherung und Entwicklung der natürlichen
Lebensgrundlagen und nachhaltige Wasserwirtschaft
zu 2 Sicherung, Schutz und Entwicklung von Natur und Landschaft
zu 2.1 Landschaftliche Vorbehaltsgebiete
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Zur Erhaltung charakteristischer Landschaftsbereiche, deren Nutzung, Eigenart, Vielfalt und Struktur für den Naturhaushalt, die Landschaftspflege, das Landschaftsbild sowie für die Erholungsnutzung von besonderer Bedeutung sind, ist es erforderlich, geeignete landschaftliche Vorbehaltsgebiete auszuweisen. Hierbei ist auch die ökologische Bedeutung dieser Bereiche über Naturraum- und Regionsgrenzen hinaus zu berücksichtigen. Bei der Abwägung mit anderen Nutzungsansprüchen kommt in landschaftlichen Vorbehaltsgebieten den Belangen von Naturschutz und Landschaftspflege besonderes Gewicht zu. Landschaftliche Vorbehaltsgebiete sind jedoch keine Schutzgebiete im Sinne des Naturschutzrechtes und haben auch keine vergleichbare Funktion. Eine ordnungsgemäße land- und forstwirtschaftliche Bodennutzung ist von den landschaftlichen Vorbehaltsgebieten generell nicht betroffen, d.h. es ergeben sich für die Land- und Forstwirtschaft keine über die bestehenden gesetzlichen Anforderungen hinausgehenden zusätzlichen Beschränkungen. Die Bestimmung der landschaftlichen Vorbehaltsgebiete wird nachfolgend begründet: zu 1: Gennachniederung und Kitzighofener Moor Die Gennachniederung und das Kitzighofener Moor stellen als ausgedehnte Grünlandbereiche bzw. als Streuwiesenflächen mit hohem Grundwasserstand in der sonst ausgeräumten Wertachebene bedeutende Lebensräume für wiesenbrütende Vogelarten dar. Die Erhaltung des hohen Grundwasserstandes, der Schutz vor Grünlandumbruch, die Pflege der Streuwiesen und der Hochstaudenfluren sind geboten. Für die Förderung der Vogelwelt ist ein ausgewogenes Verhältnis von Gehölzstrukturen und Freiflächen notwendig. zu 2: Singoldniederung, östliche Hänge und Wälder Die Singoldniederung und die angrenzenden Hangbereiche sind Teil einer überwiegend grünlandgenutzten Biotopverbundstruktur zwischen den Endmoränenwällen im Süden und den Lech- und Wertachniederungen im Norden der Region. Auf den östlichen Hochflächen und Riedeln bestimmen weite, die Regionsgrenze übergreifende Waldflächen im Wechsel mit Grünlandbereichen das Landschaftsbild. zu 3: Wertachtal nördlich und Hangbereiche westlich Kaufbeuren Die bedeutendsten Strukturen des Ökosystems Wertachtal sind die schutzwürdigen Reste des einst breiten Auwaldsaumes mit seinen Altwasserfragmenten, die Schilfzonen der Stauseen sowie die noch ungestauten Flussabschnitte. Besonders erhaltenswert sind auch die Bachoberläufe in Verbindung mit Feuchtbiotopen und vielfältigen Mischwaldbeständen. Die Hangbereiche zwischen Kaufbeuren und Irsee spielen für die Erholungsnutzung eine erhebliche Rolle. Ihr besonderer Reiz liegt in den zahlreichen Quellzonen, Bächen und der Vielfalt der Waldbilder. Das ausgedehnte Waldgebiet ist in seiner Gesamtheit als ruhiges Erholungsgebiet erhaltungswürdig. In den Wertachauen wäre aus Gründen des Artenschutzes und der Pflege des Landschaftsbildes die Reaktivierung von Altwässern und ehemaligen Flutrinnen und die ökologische Aufwertung beeinträchtigter Auwaldabschnitte sowie die Wiederherstellung eines durchgehenden Auwaldbandes von Bedeutung. Bei der weiteren Entwicklung wären zur Förderung der wechselfeuchten Auwaldzonen und um generell der Flussdynamik wieder mehr Raum zu geben auch periodische Überflutungen zu erwägen. zu 4: Gennach- und Hühnerbachtal und Gennachmoos Das Gennach- und das Hühnerbachtal gliedern in Nord-Süd-Richtung die ausgedehnten Grünland- und Waldflächen östlich von Kaufbeuren. Im Gennachmoos sind noch größere, teilweise zusammenhängende Feuchtbereiche vorhanden. Erhalt und Entwicklung dieser Lebensräume gefährdeter Pflanzen und Amphibien sind für den Artenschutz wichtig. zu 5: Täler des Friesenrieder Baches und der Kirnach mit Hangzone An die streckenweise mäandrierenden Bachläufe in grünlandgenutzten Talgründen grenzen Feuchtwiesen, Moor- und Schilfbereiche sowie Magerrasen und magere Waldbestände an. Durch die Schmelzwässer der Eiszeit und rückschreitende Erosion wurde hier ein interessantes Relief mit z.T. wertvollen Vegetationsstrukturen geschaffen. Die Tal- und Steilhangflächen sind Biotopverbundstrukturen zwischen dem Moränenhügelland im Süden und den teilweise strukturarmen Schotterriedellandschaften im Norden. zu 6: Täler der Günz, Leubas und Mindel mit Umgebung Das Tal der Östlichen Günz ist als ehemaliges Urstromtal tief in die Moränenlandschaft des Alpenvorlandes eingeschnitten. Die enge Talsohle zwischen Obergünzburg und Ronsberg zeichnet sich durch reich strukturierte Feuchtflächen aus. Die steilen Talflanken, durch Felsen und schluchtartige Einschnitte gegliedert, tragen z.T. naturnahe Laub- und Mischwaldbestände. Auf südexponierten Hangbereichen zwischen Obergünzburg und Ronsberg sind auch mehrere relativ großflächige Magerrasen und -wiesen vorhanden. Zu bewahren sind insbesondere die Steilhänge mit ihren großen Schottermächtigkeiten. Im Bereich der Mindelquellen sind eine größere Anzahl von überregional bedeutsamen Quellfluren, z.T. mit endemischen (= bedrohten, weltweit nur in einem kleinen Areal vorkommenden) Pflanzen erhalten geblieben, die in hohem Grad schutzwürdig sind. Die ausgedehnte Flachmoorniederung des Leubastals ist in ihrem Zentrum bereits als LSG gesichert worden. Erhaltenswert sind darüber hinaus die Steilhangbereiche des Leubasdurchbruchs. zu 7: Langer Weiher und Schlegelsberg Geschützt durch die Bahnkurve bei Aitrang hat sich ein großer Moorkomplex erhalten, dessen landschaftliche Eigenart und Schönheit ein eindrucksvolles Beispiel für die Vielfalt der voralpinen Hügel- und Moorlandschaft darstellt. Besonders erwähnenswert ist auch der weit herausgehobene Moränenhügel des Schlegelsbergs und das ruhig gelegene Wald- und Moorgewässer des Langen Weihers. zu 8: Hangzone zwischen Schrattenbach und Börwang Der herausgehobene steile Osthang des ehemaligen Iller-Urstromtales setzt sich in der Region Donau-Iller fort. Die Illerleite stellt insbesondere bei Schrattenbach eine wichtige süd-west-exponierte Biotopstruktur am Rande der sonst biotoparmen und durch großflächigen Kiesabbau beeinträchtigten Iller-Hochterrasse dar. Künftig bedarf es der stärkeren Berücksichtigung naturnaher Waldbaumaßnahmen. Im Hinblick auf die Erholungsnutzung wäre auch eine Freistellung markanter Aussichtspunkte erstrebenswert. zu 9: Illerschlucht nördlich Kempten (Allgäu) und Illertal zwischen Kempten (Allgäu) und Oberstdorf Die Auen des Illertals stellen eine wichtige, über weite Strecken durchgehende Biotopstruktur zwischen den Alpen und dem Donauraum dar. Die Iller selbst ist als bedeutsamer alpiner Fluss der Region durch hohe jahreszeitliche Schwankungen der Wasserführung und eine entsprechende Dynamik gekennzeichnet. Das z.T. bereits sehr schmale oder fehlende Auwaldband zwischen den noch relativ naturnahen größeren Auwaldbeständen, z.B. zwischen Fischen i. Allgäu und Oberstdorf, bei Immenstadt i. Allgäu und bei Lauben, könnte durch eine Vervollständigung in seiner ökologischen Bedeutung gestärkt werden. Zahlreiche Auwaldfragmente und Altwasserreste bieten hierzu gute Ansatzpunkte. Der Lauf der Iller bewegt sich südlich Kempten (Allgäu) weitgehend in seinem naturgegebenen Bett. Allerdings erfolgte eine umfangreiche Baumaßnahme im Zusammenhang mit Hochwasserschutzmaßnahmen und der Neutrassierung der B 19 im Seifener Becken. Im Interesse des Naturschutzes wären die Sicherung noch vorhandener natürlicher Retensionsräume bzw. Reaktivierungsmaßnahmen der hochwasserbeeinflussten Auestandorte. zu 10: Kürnacher Wald (Adelegg) Dem ausgedehnten, ruhigen Waldgebiet des Kürnacher Waldes ist nach Osten bis zur Iller hin eine weite, landschaftlich reich gegliederte Moränenlandschaft mit zahlreichen eiszeitlichen Hügeln und durchsetzt mit vielfach gegliederten Tobeln und Bächen vorgelagert. Charakteristisch ist hier neben einer kleinteiligen, eiszeitlich geprägten Gliederung der Landschaft die kleinräumige Siedlungsstruktur. Der Kürnacher Wald mit Schwarzem Grat bzw. die Adelegg sind eine weit aus dem Alpenvorland herausgehobene Scholle (bis über 1.000 m ü. NN) der ungefalteten Molasse. Neben der Großflächigkeit der zusammenhängenden Waldungen, die sich durch besondere Wüchsigkeit der Nadelhölzer auszeichnen, ist der Raum gekennzeichnet durch ein filigranes Netz von Bachläufen und Tobeln. Die stellenweise freien Höhen bieten weite Ausblicke ins Gebirge und über das Alpenvorland. Im Hinblick auf die Belange von Tourismus und Erholungsnutzung ist es geboten, die offenen Wiesentäler und freien Aussichtspunkte ungestört zu erhalten. zu 11: Wertachtal und Wertachschlucht Der Wertach kommt im Gesamtzusammenhang der Funktion der dealpinen Flüsse als Biotopbrücken zwischen Alpen und Donauraum besonderes Gewicht zu. Entlang des Flusses ist der Erhalt der verbliebenen Biotope wie Kiesinseln, Steilwände, Streuwiesen, Quellbiotope, Tobel, Altwasserrinnen, Trockenhänge, Auwaldreste und naturnahe Überschwemmungsbereiche von großer Bedeutung für den Artenschutz. Eine im deutschen Voralpenland nahezu einmalige Schluchtstrecke stellt der imposante, enge, ca. 15 km lange und bis über 100 m tiefe Flusseinschnitt in das Moränenhügelland dar. Wegen seiner besonderen landschaftlichen Eigenart und seiner dichten Folge von Biotopen und erdgeschichtlichen Aufschlüssen wurde dieser Bereich großteils bereits als Landschaftsschutzgebiet gesichert. Besonders wertvolle Magerrasensteilhänge, Waldbiotope auf Hangrutschbereichen, Quellen und Kalksinterstrukturen sind darüber hinaus zur Inschutznahme als NSG vorgesehen. zu 12: Auerberg Der im Alpenvorland markant hervortretende Auerberg stellt mit seiner Höhe von über 1.000 m ü. NN einen weithin sichtbaren, viel besuchten Aussichtspunkt und eine Landmarke dar. Den Südhang prägen zahlreiche kleine Magerrasenbiotope und vielfältige Mischwaldbestände mit reich gegliederten Waldrandzonen. Sein Vorland ist geprägt durch ausgedehnte, ruhige Waldbereiche sowie eine mit zahlreichen Einzelgehöften, Bachtobeln, Fließ- und Stillgewässern durchsetzte Moränenhügellandschaft. zu 13: Illervorberge (Kempter Wald) Als "Illervorberge" wird naturräumlich das voralpine Moränenhügelland westlich der Wertachschlucht mit seinem über 900 m ü. NN gelegenen Zentrum des ausgedehnten Waldgebietes "Kempter Wald" bezeichnet. Auf lehmig/ toniger Unterlage und aufgrund hoher Niederschläge haben sich hier ausgedehnte Hochmoore von nationaler Bedeutung bilden und innerhalb der großen Staatswaldungen erhalten können, die z.T. bereits als NSG gesichert sind. Der Kempter Wald stellt einen der letzten großen geschlossenen Waldkomplexe mit besonderer Bedeutung für Klima, Luftreinhaltung und Wasserschutz dar. Zugleich ist er insbesondere für die Bevölkerung des Oberzentrums Kempten (Allgäu) ein bedeutsamer Naherholungsraum. Der Westabhang zum Illertal hin ist durch zahlreiche Tobel in der Wiesenlandschaft gegliedert. Die vielen Flurelemente ergeben in Verbindung mit der weiten Einsehbarkeit sowie den verstreut liegenden Gehöften mit alter ländlicher Bausubstanz sehr ansprechende Landschaftsbilder. zu 14: Moore der Lechvorberge Standörtlich gesehen ist das Gebiet der südlichen Lechvorberge in besonders starkem Maß durch eine Vielzahl von kleinen und größeren Mooren gekennzeichnet. Hier liegen eingebettet in Moränensenken und in Bereichen verlandeter ehemaliger Seen floristisch und auch faunistisch sehr wertvolle Feuchtbiotope. Dieser besonders vielfältige Teilbereich des Ostallgäuer Alpenvorlandes ist ferner geprägt durch eine vielfältig gegliederte und gekammerte, harmonisch wirkende Landschaft mit weiten Wiesenflächen, vielfältig verzahnten Waldrändern, zahlreichen Kuppen der Moränenhügel, Drumlins, gewässerreichern Talzügen, Streuwiesen, Moorflächen und Weihern. Die Seeger Seen und der Lengenwanger Mühlbach sind besonders eindrucksvolle Beispiele naturnaher Still- und Fließgewässer. Bedeutsam sind auch Trockenbiotope auf den Molasserücken im Bereich Senkele-Eschenberg, deren Erhaltung und Pflege geboten ist. zu 15: Rottachberg und Umgebung des Rottachsees Der Rottachberg ist eine nach Norden überkippte Anhöhe der Faltenmolasse mit relativ flachem, grünlandgenutztem Südanstieg und Steilabfall nach Nordwesten ins Illertal. Hier ist durch einen vielfachen Wechsel von harten, Felsbänke und -wände bildenden, Nagelfluhschichten mit weichen Grashängen sowie Laubwaldstrukturen und vielfältigen Gehölzsäumen ein eindrucksvolles Landschaftsbild entstanden. Von den Höhen des Rottachberges ergeben sich ebenso wie von den Höhen der Nagelfluhrippe nördlich von Mittelberg interessante Ausblicke auf das Illertal und den nahe gelegenen Rottachsee. Für die Naherholung und den Tourismus, insbesondere den Wassersport, bieten sich hier vielfältige Möglichkeiten. zu 16: Nordabhang des Ammergebirges Der Nordhangbereich zwischen Tegelberg und Niederer Bleick wurde seinerzeit nur teilweise in das NSG "Ammergebirge" einbezogen. Diese Bereiche, deren Sicherung als LSG angezeigt wäre, sind gekennzeichnet durch Mischwaldbestände an Steilhängen, Hutungen mit Magerrasenbeständen, zahlreiche Quellaustritte und Tobel. Sie sind durchsetzt mit Felswänden und Felsbändern. Von waldfreien Stellen aus bieten sich eindrucksvolle Ausblicke auf das Füssener Seengebiet, auf die Stadt Füssen, die Königsschlösser bei Schwangau und das Alpenvorland bis hin zum Ammersee und zu den Endmoränenwällen. zu 17: Gebiet - Edelsberg - Breitenberg Das Gebiet zwischen Wertach und Pfronten gehört zum "Vilsergebirge" und umfasst die quellen- und tobelreiche Flyschzone des Edelsberges, der Reuter Wanne und die Kalksteinberge Kienberg und Breitenberg, von denen Teile als NSG schutzwürdig sind. Das gesamte Gebiet zeichnet sich durch landschaftlich imposante Schluchten wie die Reichenbachklamm, durch naturnahe Flussläufe wie Vils und Ach bei Pfronten sowie zahlreiche hervorragende Aussichtspunkte aus. Touristisch gut erschlossen sind Teilbereiche des Gebietes durch verschiedene Skiliftanlagen und Bergbahnen. zu 18: Hänge nördlich des Ostrachtales Die südexponierte Hangzone südlich des Grüntengebietes wird in besonderer Weise durch ihre Lage im Flysch und die starke Besonnung geprägt. Die Gehölzbereiche dieses quellen- und gewässerreichen Landschaftsauschnittes sind stark aufgefächert, begleiten linear die zahlreichen Tobel und bilden kaum großflächige Waldbereiche. Die zahlreichen einzeln verstreuten Flurelemente begründen zusammen mit der sonnenverwöhnten Lage den besonderen Reiz dieser Landschaft mit ihrem parkartigen Charakter und seine besondere Erholungsfunktion. zu 19: Bergland der Faltenmolasse zwischen Buchenberg und Oberstaufen Die Faltenmolasse ist gekennzeichnet durch geologische Vielfalt, bedingt durch häufigen Gesteinswechsel auf kleinem Raum und stellt eine geomorphologische Besonderheit im bayerischen Alpenvorland dar. Hier stehen sich harte, z.T. senkrecht oder überkippt stehende Gesteinsrippen und weiche, gewässer- und moordurchsetzte Muldenzonen und Bachtälchen gegenüber. Dadurch hat sich, eingebettet in Wiesen und Weiden und vielfältige Waldstrukturen, ein dichtes Netz von Biotopen entwickeln und erhalten können. Hervorzuheben sind hierbei u.a. die zahlreichen Moore im Wirlinger Forst z.B. das Breitenmoos mit seinen Eiszeitreliktpflanzen sowie die Tobel am Salmaser Höhenzug und am Sonneneck bei Weitnau. Teilflächen u.a. im Weitnauer Tal, am Hauchenberg, am Sonneneck und an der Salmaser Höhe sind schutzwürdig. zu 20: Moränenhügelland südlich Lindenberg i. Allgäu und Seitentäler der Oberen Argen sowie Höhen nördlich Gestratz und Moore nördlich von Maierhöfen Das Westallgäuer Hügelland weist aufgrund seiner intensiven eiszeitlichen Überprägung durch den Rheingletscher ein sehr vielfältiges und kleinteiliges Erscheinungsbild auf. Der südliche Bereich dieses Gebietes ist durch die weite Talfurche der mäandrierenden, gehölzgesäumten Rothach südlich von Weiler-Simmerberg geprägt. Von der Deutschen Alpenstraße (B 308) oberhalb der Talhänge aus ergeben sich zahlreiche weite Ausblicke auf diesen sehr reich strukturierten Raum bis hinein in die Schweizer Berge, in den Bregenzer Wald und auf die Nagelfluhkette. Eingestreut in zahlreiche tannenreiche Waldbestände sind Moore und Streuwiesen, so dass sich in Verbindung mit dem dichten Netz von Gewässern und Feldgehölzen in dieser Wiesen- und Weidelandschaft ein wertvolles Biotopnetz erhalten hat. Der gesamte Raum kann damit Ausgleichsfunktionen übernehmen. Nördlich von Röthenbach verästelt sich das Argental in zahlreiche Nebentäler und Quellbereiche. Die Argenschlucht unterhalb des NSG Eistobel ist in besonderem Maße schützwürdig. zu 21: Leiblachtal und Hangbereiche westlich Lindenberg i. Allgäu Dieses Gebiet beinhaltet drei verschiedene Landschaftsbereiche: die Moorflächen des Degermooses, das schmale Band der Leiblachschlucht bzw. des tief eingeschnittenen Leiblachtales, das eine durchgehende Biotopverbindung zum Westallgäuer Hügelland bei Lindenberg i. Allgäu darstellt, und die tertiären, quellenreichen Molasseabhänge westlich von Lindenberg i. Allgäu. Die Hangzonen und Tobel zeichnen sich durch tannenreiche Waldbilder aus, die auf eine schonende waldbauliche Einzelstammnutzung zurückgehen. Diese Waldungen sind in besonderem Maße wertvolle Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt. Das Leiblachtal und Teile der Moorflächen bei Hergatz und bei Heimenkirch sind schutzwürdig und bislang nur z.T. geschützt (NSG Degermoos, NSG Stockenweiler Weiher, LSG Waldsee bei Lindenberg i. Allgäu). zu 22: Moränenhügelland nördlich Lindau (Bodensee) und Bodenseeufer Die Landschaft nördlich von Lindau (Bodensee) ist eiszeitlich geprägt durch eigentümlich geformte, kiesige Drumlinhügel (spezielle Form der Grundmoräne), deren Dichte und Anzahl einmalig in der Region ist. In den Senken zwischen diesen Hügeln haben sich zahlreiche kleine Moore und Streuwiesen erhalten oder es sind dort an verschiedenen Stellen auch kleine Seen und Weiher entstanden. Dazwischen schlängeln sich Wiesenbäche mit oftmals durchgehenden Gehölzsäumen. Zum Bodensee hin haben sich die Bäche häufig tobelartig eingeschnitten und zeichnen sich dort durch eindrucksvolle Landschaftsbilder mit naturnahen Biotopen aus. Einen besonderen Reiz bietet dieser Raum mit seinen zahlreichen alten Hochstamm-Obstanlagen zur Zeit der Apfelblüte. Während das unmittelbare Bodenseeufer selbst als Landschafts-, zum Teil auch als Naturschutzgebiet gesichert ist, kommt es darauf an, die ökologisch und touristisch wertvollen Freiräume frei zu halten. zu 23: Nagelfluhgebiet und Hänge westlich Sonthofen und zu 24: Flyschberge zwischen Oberstdorf und Balderschwang Diese beiden Gebiete beinhalten Teile der Naturräume "Vorderer und Hinterer Bregenzer Wald", die sehr hohe Niederschlagsmengen (2500 mm) aufweisen. Bedingt durch das Vorkommen wasserstauender Schichten an der Oberfläche sowie das häufige Zutagetreten von Quellhorizonten (Flyschzone) sind die Gebiete über weite Strecken durch eine im bayerischen Alpenraum einmalige Fülle von Quellbiotopen, Hang- und Sattelmooren, Rinnsalen und Bächen geprägt. Die Nagelfluhkette zeichnet sich durch floristischen Reichtum aus. Touristisch ist dieser Bereich durch Lifte und Bergbahnen gut erschlossen und stellt eine Landschaft mit besonderer Bedeutung für die Erholungsnutzung und den Tourismus dar. Die vielfach alpwirtschaftlich genutzten Gipfel wie das Riedberger Horn bieten zahlreiche hervorragende Aussichtspunkte und ein ideales Gebiet zum Wandern und Skitourengehen. Die Täler bei Gunzesried und das Rohrmoos gelten als besonders schneesicher. Die sanften Hänge um Ofterschwang mit ihrem harmonischen Landschaftsbild eignen sich besonders zur talnahen Erholung. zu 25: Vorland des Naturschutzgebietes (NSG) Allgäuer Hochalpen (Sonnenköpfe, Imberger Horn) Bereiche im Vorfeld bzw. an der Nord- und Westflanke der Allgäuer Hochalpen wurden wegen bestehender Intensivnutzungen (Bergbahnen, Pisten u.a.) sowie wegen einer abgestuften Schutzbedürftigkeit bisher nicht in Natur- und Landschaftsschutzgebiete einbezogen. Weite Bereiche dieses Vorfeldes, wie die weithin einsehbare Westflanke der Sonnenköpfe mit ihren vielen Tobeln und Flurelementen oder die waldreiche Nordflanke des Imberges sind jedoch wertvolle, weitgehend schutzwürdige Landschaften. |
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zu 2.2 |
Regionale Grünzüge |
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Die beiden regional bedeutsamen Grünzüge stellen ein Gegengewicht zu der Besiedelung in Teilbereichen des Illertals dar. Sie können als relativ gering belastete Freiräume außerhalb der Schutzgebiete Ausgleichsfunktionen wahrnehmen. Bedeutend sind diese Bereiche im Illertal nördlich Sonthofen und im Umfeld der städtischen Siedlungsverdichtung von Kempten (Allgäu), insbesondere auf der östlichen Illerhochterrasse sowie auf den östlichen Randhöhen. Sie dienen vor allem der Erhaltung und Verbesserung des Bioklimas und der großflächigen, regionalen Gliederung der Siedlungsräume. Des Weiteren sichern die regionalen Grünzüge langfristig siedlungsnahe Freiflächen für die Kurzzeit- und Naherholung. |
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zu 2.3 |
Schutz und Pflege von Natur und Landschaft |
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zu 2.3.1 |
Schutzgebietssysteme |
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Im gesamten Bereich der Region gibt es Landschaftsteile, die im Hinblick auf ihre besonderen ökologischen, landschaftsästhetischen und heimatgeschichtlichen Werte eines besonderen Schutzes bedürfen. Die Schutzgebiete können durch ein abgestuftes System das Grundgerüst für ein regionales Biotopverbundsystem bilden. Dies ist erforderlich, um der Verinselung der wertvollen Bereiche mit ihren nachteiligen Folgen für Vegetation und Tierwelt zu begegnen und bereits unterbrochene Wanderungsbahnen und Biotopbrücken wiederherzustellen. Das Hochgebirge und Teile der Vorberge zählen zu den am meisten naturbelassenen Großlandschaften Mitteleuropas. Gesteins-, relief- und klimabedingt ist dieser Raum ökologisch extrem vielfältig und ebenso eigenständig. Diese ökologischen Grundbedingungen schlagen sich nieder in einem sonst unerreicht markanten Bestand zahlreicher Ökosystemtypen und Anteilen seltener und sonst weithin fehlender Arten und Artengemeinschaften. Die Unterschutzstellung dieser Gebiete wäre wünschenswert. Als Kriterien für die Bestimmung der einzelnen schutzwürdigen Gebiete sind zu nennen: |
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Aufgrund der günstigen Standortvoraussetzungen weist die Region vor allem im südlichen Teil eine große Zahl schutzbedürftiger Bereiche auf, die hier nur exemplarisch dargestellt werden können. Jedoch sind auch hier die einzelnen Biotope nur noch teilweise in so großer Dichte vorhanden, dass der erforderliche Artenaustausch in ausreichendem Maße gewährleistet ist. Für Gebiete, die nach Art. 7 oder 12 Bayer. Naturschutzgesetzes (BayNatSchG) über den derzeitigen Bestand hinaus möglichst als Naturschutzgebiete (NSG) oder Landschaftsbestandteile (LB) geschützt werden sollen, kommen folgende Bereiche in Betracht: |
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Für Gebiete, die nach Art. 10 BayNatSchG über den derzeitigen Bestand hinaus als Landschaftsschutzgebiet (LSG) möglichst geschützt werden sollen, kommen folgenden Bereiche in Betracht: Mindelursprung und oberes Mindeltal, Langer Weiher bei Aitrang mit Mooren, Gennachmoos und Bernbacher Moos, Oberes Rottachtal und Moore bei Unterschwarzenberg, Illerauen bei Krugzell mehrere Tobel bei Altusried, Mariaberg bei Kempten (Allgäu) mit Umgebung (Rottach), Rottachberg, Salmaser Höhe, Sonneneck, Hauchenberg, Piesenkopfgebiet, Kempter Wald, Umfeld des Sulzschneider Waldes, Senkelegebiet; |
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zu 2.3.2 |
Nutzung und Pflege von Natur und Landschaft Moore und Feuchtgebiete |
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zu 2.3.2.1 u. 2.3.2.2 |
Der Begriff "Moorlandschaft" fasst benachbarte Einzelmoore zu Komplexen zusammen, die auch anderweitig genutzte Rand- und Pufferbereiche, z.B. landwirtschaftliche Intensivflächen beinhalten. Die Moore in ihren unterschiedlichen Formen und Entwicklungsstadien - Hoch-, Übergangs-, Flach und Quellmoore - waren lange kennzeichnende Elemente der Allgäuer Landschaft, sind jedoch heute bis auf einen geringen Rest verschwunden oder stark degradiert. Selbst diese Reste sind weiterhin durch Nutzungsintensivierung oder indirekte Einflüsse wie Verinselung oder Änderungen im Wasserhaushalt bedroht. Die im Voralpenland noch vorhandenen Restgebiete umfassen zumeist nur noch den Kern der ursprünglichen Moore; Randbereiche und Zonierungen sowie Übergänge zur Intensivnutzung fehlen häufig, zudem liegen die Flächen zersplittert und isoliert; die Problematik alpiner Moore ist unter 2.3.2.13 (siehe unten) dargestellt. Für den langfristigen Erhalt von Art und Charakter dieser Moore ist deren Verbund und damit die Möglichkeit zum Artenaustausch und zur Stabilisierung der Populationen überlebenswichtig. Hierfür sind extensiv bewirtschaftete Grünlandbereiche in Bachtälern, Bäche und Auen, Gräben, und sonstige Feuchtbereiche besonders geeignet. Die Moore bedürfen der Einbindung in ein System von Trittsteinbiotopen aus Feuchtflächen unterschiedlicher Intensität, z.B. extensiv genutzten Wirtschaftswiesen oder Streuwiesen. Beispiele für als Verbundachse besonders geeignete Bäche sind Lobach, Geltnach, Kirnach oder Waldbach. Insbesondere bei Infrastrukturmaßnahmen und bei der Flächennutzung kommt es darauf an, dass die funktional zusammengehörenden Moorbereiche möglichst nicht weiter verinselt, aufgesplittert oder in ihrem Wasserhaushalt geschwächt werden. |
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zu 2.3.2.3 |
Alle Moortypen sind hochspezifische Lebensräume mit speziellen Lebensgemeinschaften aus vielfach bedrohten und empfindlichen Lebensraumtypen oder Arten (zumeist Pflanzen-, Vogel-, Reptilien-, Libellen oder Tagfalterarten). Trittschäden oder Störungen der Tierwelt sollten unbedingt vermieden werden. Die Nutzung von Moorlandschaften für Erholungszwecke bedarf einer sorgfältigen Planung zur ganzjährigen Sicherung ungestörter Kernzonen, ggf. mit einer Entflechtung von Nutzungskonflikten, gezielten Lenkungsmaßnahmen, dem Verzicht auf weitere und ggf. dem Rückbau von bestehenden Erschließungsmaßnahmen, ohne damit die Zugänglichkeit der Grundstücke wesentlich zu erschweren. Neben den Bereichen Kempter Wald und Lindenberger Moos sind beispielhaft auch die Sulzschneider Moore oder die Bereiche um den Elbsee und den Bannwaldsee zu nennen. |
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Mager- und Trockenstandorte |
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zu 2.3.2.4 |
Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen, bodensaure Magerrasen oder Zwergstrauchheiden kommen schwerpunktmäßig im Alpenraum, entlang der Molassezüge (z.B. Senkele), auf Endmoränenkuppen, Moränenhügeln oder den Leiten von Flusstälern (z.B. Wertach, Östliche Günz) vor; eine Besonderheit des Alpenrandes und Voralpenlandes sind die sog. Buckelwiesen und die Hardtlandschaften, ein eng verzahntes Nebeneinander von Trocken- und Feuchtstandorten. Auch magere Wirtschaftsgrünländer oder Altgras- und Ruderalfluren zählen zu den mageren und trockenen Lebensräumen. Alle Typen sind von Verinselung, Isolierung, Intensivierung, Randeinflüssen, Aufforstung oder Sukzession in ihrem langfristigen Bestand gefährdet. Neben dem Erhalt des eigentlichen Lebensraumes kommt wegen des langfristig überlebenswichtigen Artenaustausches dem Erhalt und Ausbau von Verbundsystemen der oft verstreuten Komplexe, z.B. über Böschungen an Verkehrswegen und Abbaustellen, Wegränder oder extensives Grünland hohe Bedeutung zu. |
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Waldgebiete |
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zu 2.3.2.5 |
Im Mittel- und Nordteil der Region ist der Wald vielfach kleinparzelliert und auf Extremstandorte, wie Molasserippen, Hügelkuppen und Tobeleinschnitte, zurückgedrängt. Im Alpengebiet der Region wurden im letzten Jahrhundert für die Milchwirtschaft große Lichtweideflächen geschaffen. Durch die Aufforstung oder natürliche Wiederbewaldung von der Landwirtschaft aufgegebener Grenzertragslagen hat sich zwar die Waldfläche im Süden der Region erhöht, Verluste mussten jedoch in den breiten Talräumen und sonstigen Hauptsiedlungsgebieten hingenommen werden. Als Ausgleichfläche zu den dicht besiedelten oder intensiv landwirtschaftlich genutzten Bereichen erfüllen naturnahe Waldbereiche wichtige Funktionen als landschaftsbestimmendes Element sowie als Rückzugsraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Weitere Rodungen größeren Umfangs würden hier zu einer empfindlichen Störung des Landschaftshaushaltes führen. |
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zu 2.3.2.6 |
Die wenigen großen Waldgebiete wie Kempter Wald und Sulzschneider Forst sind in ihren räumlichen Auswirkungen von besonderer Bedeutung, z.B. für Klima, Luftreinhaltung, Wasserschutz, Erholung und als störungsarme Lebensräume zahlreicher Tierarten. Die Erhaltung ökologisch bedeutsamer Waldlichtungen ist aufgrund der Strukturvielfalt und Biotoppflege ein Anliegen des Naturschutzes. Des Weiteren können Lichtungen dem Landschaftsbild dienen und den Erholungswert erhöhen. |
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zu 2.3.2.7 |
Von besonderer ökologischer und landeskultureller Bedeutung sind die noch vorhandenen Auwälder an Iller und Wertach. Flächeninanspruchnahme durch konkurrierende Nutzungen gilt es möglichst zu vermeiden bzw. die damit verbundenen Eingriffe auszugleichen. Naturnahe Bewirtschaftung und ggf. Waldumbau dienen der Stabilität der Bestände und ihrer ökologisch Funktionen als Lebensräume gefährdeter Tiere und Pflanzen. |
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Still- und Fließgewässer |
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zu 2.3.2.8 |
Die zahlreichen Seen und Weiher mit ihren Verlandungsbereichen prägen in markanter Weise das Erscheinungsbild des Voralpenlandes, sind für die heimische Tier- und Pflanzenwelt unersetzliche Lebens- und Rückzugsräume und erfüllen wichtige Funktionen für die Selbstreinigungskraft der Gewässer. Gleichzeitig besteht eine sehr hohe Attraktivität für Freizeitnutzungen wie Baden, Bootfahren, Angeln, Jagen und dergleichen. Obwohl vor allem an den größeren Seen noch aufnahmefähige Erholungsanlagen bestehen, lastet vielfach ein erheblicher Erholungsdruck auf anderen, ökologisch nur wenig belastbaren Uferzonen. Die Flachwasserzonen sind die biologisch aktivsten Bereiche des Bodensees und damit für die Wasserqualität sowie für die Tierwelt, u.a. als Nahrungsraum für Schwimm- und Wasservögel sowie als Laich- und Aufwuchsgebiete für Fische, besonders bedeutsam. Beeinträchtigungen entstehen allgemein vor allem durch Schäden an der Vegetation durch Tritt und Wasserfahrzeuge sowie durch Störung der Tierwelt, besonders von Vögeln. Durch (Wind-)Surfer, Motor- und Segelboote sowie deren Bootsliegeplätze in Gewässern und Uferbereichen werden die Flachwasser- und Schilfzonen beunruhigt und gefährdet. Beispielsweise sind am Forggensee insbesondere die empfindlichen Feucht- und Trockenstandorte am Illasberg und am Ostufer betroffen. Am Elbsee stellt der Bootsbetrieb für Schwingrasen und Verlandungszonen eine deutliche Gefahr dar. Die Ufer- und Flachwasserzonen am Bodensee sind durch vielfache Nutzungsansprüche, z.B. durch Bootsliegeplätze oder Stege und durch den Erholungsbetrieb, besonders gefährdet. Hier kommt es darauf an, die Nutzungen den ökologischen Anforderungen anzupassen (siehe auch Internationales Leitbild für das Bodenseegebiet sowie Bayerischer Bodenseeuferplan). |
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zu 2.3.2.9 |
Bäche mit ihren Auen weisen in unterschiedlicher Weise Bestände oder zumindest das Standortpotential für ein Mosaik aus verschiedenen Feuchtlebensräumen (z.B. Seggenrieden, Röhrichten, Hochstaudenfluren, Mooren) mit Nutzungen (z.B. als Streu- oder feuchte Extensivwiesen) auf. Bei begradigten Gewässerabschnitten, z.B. von Geltnach, Kirnach, Gennach und Singold, wäre ein ökologischer Gewässerausbau wichtig. In Abhängigkeit der unterschiedlichen gegebenen Standort- und Strukturverhältnisse sind Erhalt oder Entwicklung dynamischer Auenlebensräume möglich. Damit können die Auenbänder häufig überregional bedeutsame Achsen im Biotopverbund für eine hohe Zahl verschiedener Lebensräume sowie als bevorzugte Ausbreitungsbahnen für Pflanzen und Tiere darstellen. |
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zu 2.3.2.10 |
Alpine naturnahe Wildflusssysteme bestehen aus einem oder mehreren Flussläufen im Talboden sowie den zumeist zahlreichen Zuflüssen von den Hängen. Sie sind aufgrund der häufig wechselnden Klimaeinflüsse (Niederschläge, Temperatur usw.) und der extremen Reliefenergie von hoher Dynamik geprägt. Neben der landschaftlich eindrucksvollen Erscheinung sind sie ökologisch als Gesamtsystem aus zahlreichen Sonderstandorten und Prozessen in hohem Maße schutzwürdig. Dabei sind sie Lebensraum für eine Vielzahl spezialisierter Tier- und Pflanzenarten und besitzen wichtige Verbundfunktionen zwischen den alpinen und den Vorlandbereichen. Dabei kommt es in besonderer Weise darauf an, dass die natürlichen Vorgänge auf ganzer Länge - soweit die Sicherheitslage für Siedlung und Infrastruktur dies zulässt - möglichst unbeeinflusst ablaufen können und eine, wenigstens teilweise, Durchgängigkeit für Organismen und Geschiebe besteht. |
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zu 2.3.2.11 |
Die Flusstäler einschließlich ihrer Hänge sind aufgrund ihrer Vielfalt unterschiedlichster Standortbedingungen wertvolle Lebensräume, z.B. als Brut- und Nahrungshabitate für zahlreiche Vogelarten. Durch ihre lineare Ausdehnung dienen gerade die großen Flüsse über weite Entfernungen dem Biotopverbund - auch zwischen nicht unmittelbar im Talraum gelegenen Bereiche - am eindrucksvollsten der Lech mit landesweiter Bedeutung als Brücke zwischen Alpen und Jura, hier in besonderer Weise für die Mager- und Trockenvegetation. Aufgrund von Verbauungsmaßnahmen sind Verbundfunktion und Dynamik der Flüsse unterschiedlich gut ausgeprägt und derzeit zum Teil nur eingeschränkt möglich und bedürfen der Verbesserung. |
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zu 2.3.2.12 |
Tobel sind tief in den Untergrund eingeschnittene Bachschluchten mit Hangwäldern und treten in unterschiedlichen Landschaftsräumen auf, z.B. in den Hangbereichen nördlich des Ostrachtales als markante, durch ihren Begleitbewuchs deutlich hervortretende Adern in den exponierten Hängen oder von Laubmischwald begleitet im ansonsten weitgehend mit Fichte bewaldeten Gebiet der Adelegg oder als Einzelerscheinung wie am Stellenbach nordöstlich von Hopferau. Sie beherbergen zahlreiche ökologisch bedeutsame Sonderstandorte wie Schluchten, Quellbereiche oder Trockenstandorte und besitzen ein eigenes Innenklima. Sie geben der umgebenden Landschaft ein unverwechselbares Gepräge, das es in seinen jeweiligen typischen Merkmalen zu erhalten gilt. Bei unvermeidbaren Querungen mit Wegen kommt es darauf an, die Durchgängigkeit für Wanderbeziehungen von Tieren möglichst zu wahren. |
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Alpflächen |
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zu 2.3.2.13 |
Die Bewirtschaftung der Alpen erfüllt landeskulturelle Ziele und dient in der Regel auch dem Erhalt des traditionellen Landschaftsbildes. Bei der Art der Bewirtschaftung und den Auftriebszahlen der Weidetiere sind eine Anpassung an das jeweilige Futterangebot sowie die besondere Berücksichtigung der dortigen Alpenflora und der Belastbarkeit der einzelnen Vegetationseinheiten geboten. Einer besonderen Erosionsgefährdung sind die alpinen Bereiche oberhalb der Waldgrenze ausgesetzt. Die Mager- und Nassflächen der Hochlagen sind wegen der kurzen Vegetationsperiode und des harten Klimas empfindlich und wenig regenerationsfähig. Überbeweidung birgt Gefahren für den Naturhaushalt und die langfristige Nutzungsfähigkeit der Naturgüter. Bei Mooren kann allenfalls die Randzone extensiv beweidet werden, während die Moorkerne und andere wertvolle Kleinstandorte oder Bergseen des Schutzes bedürfen. |
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Kulturlandschaft |
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zu 2.3.2.14 |
Für die landschaftliche Attraktivität z.B. des Kürnacher Waldes, der Nagelfluhkette sowie anderer Vorberge und Hochgebirgsbereiche sind freie Wiesentäler landschaftstypisch und daher von besonderer Bedeutung. Sie offen zu halten, ist auch für die Erholungsnutzung bedeutsam; gleiches gilt für die stark gegliederten Waldränder von Kempter und Sulzschneider Wald, den Nordhang des Ammergebirges und die Urstromtäler im Norden. Eine großflächige Bewaldung von Talauen und Seeufern könnte auch die Wanderungsbeziehungen (Biotopverbund) wichtiger Tierarten unterbrechen oder zu einer ökologischen Verarmung der Standorte führen. |
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zu 2.3.2.15 |
Während die Drumlins und Nagelfluhrippen meist waldfreie Höhen darstellen, sind die langen Kuppen der Faltenmolasse vielfach waldbestanden. Aussichtspunkte sind hier aufgrund der Topographie oft möglich. Ein dichter Gehölz- und Waldbewuchs verhindert jedoch häufig den freien Blick in die Umgebung, auf die Bergkulisse und die Ebenen des Vorlandes. Ehemals freie Aussichtslagen und Höhen wachsen durch Nutzungsaufgabe oder Extensivierung von landwirtschaftlichen Flächen vielfach zu oder werden aufgeforstet. Eine generelle Aufforstung stabiler Steillagen (keine Erosions- und Lawinengefahr) wird auch aus Gründen des Artenschutzes und des Landschaftsbildes nicht wünschenswert sein. Durch Bewaldung der meist waldfreien Drumlins würde die Erlebbarkeit dieser eigenwilligen und besonders lebendigen Landschaftsformen ebenfalls verloren gehen. |
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Erholung |
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zu 2.3.2.16 |
Auch in Bezug auf die Erholungseinrichtungen weist der Alpenraum bereits eine hohe Erschließungsdichte auf; umso mehr Bedeutung kommt dem Freihalten der bislang noch nicht erschlossenen Tal- und Hangbereiche zu. Diese fungieren mittlerweile häufig z.B. als Rückzugsräume für andernorts verdrängte Wildtiere oder sind Restbereiche relativ ungestörter dynamischer Entwicklungsprozesse. Weitere Waldverluste durch touristische Infrastrukturmaßnahmen z.B. im Vilser oder Ammergebirge gilt es v.a. aus Gründen des Erosionsschutzes zu vermeiden. Die Hochlagenmoore lassen keine weiteren Erschließungsmaßnahmen zu. |
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zu 2.3.2.17 |
Bei Anlage und Präparation der Pisten wie auch beim Skifahren sollen ökologisch empfindliche und geologisch labile Bereiche möglichst gemieden und bestehende Konflikte möglichst entflochten werden. Die seltenen und gefährdeten Tiere werden im Winter in bestimmten Bereichen durch freizeitbedingte Störungen, insbesondere durch Varianten- oder Tourenskifahrer und Langläufer in ihrem Energiehaushalt so stark beeinträchtigt, dass ihre Überlebensfähigkeit stark vermindert wird. Auch im Frühjahr und Herbst ist es von besonderer Bedeutung Störungen, z.B. durch Mountainbiking zu vermeiden, damit die Wildtiere die nötigen Energievorräte ansammeln bzw. ausgleichen sowie Brut und Aufzucht besorgen können. |
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